Warum Patagonien so beliebt ist…

Patagonien ist ein riesiges Areal im Süden von Südamerika, das zum Teil in Chile und zum Teil in Argentinien liegt. Die Region ist extrem dünn besiedelt und so ist Punta Arenas ganz im Süden von Chile mit 120000 eine “Großstadt”. Von dieser Stadt, die gleichzeitig auch die südlichste Stadt (>100000) der Welt ist, ging unsere Reise los. Der Flug von Santiago ist übrigens sehr günstig, wenn man 1-2 Wochen im voraus bucht. Nach der Ankunft haben uns aber direkt die deutlich höheren Preise schockiert. Allein der Transfer vom Flughafen in die Innenstadt hat schon 8 Euro pro Person gekostet, was kaum zu vergleichen ist mit dem Rest von Chile. Nachdem wir uns aklimatisiert hatten, ging es von Punta Arenas aus in Richtung Königspinguine.
Im Hintergrund ist die einzige Königspinguinkolonie außerhalb der Arktis
Diese Art von Pinguinen ist die zweit größte und kommt nur hier außerhalb der Antarktis vor. Die gebuchte Tour hier her ist übrigens zu einer Kaffeefahrt ausgeartet. So wurden wir von Restaurant, zu Museum inklusive Shop und schließlich zu einer Empanada-Tienda gelotst. Auch die fairen hier verlassen den Hafen so gut wie nie pünktlich und bei über 60 kmh Windgeschwindigkeit wird der Betrieb eingestellt. Im worst-case müssen wir also auf Feuerland nächtigen, was zum Glück nicht der Fall war. Auf der Fahrt wurde mir zum ersten mal richtig bewusst wie teuer Patagonien ist, als ich zwischen einem Schweizer Radiologen und einem dänischen Unternehmer saß.

Ab in den “wärmeren” Norden

Nach Punta Arenas wussten wir nicht ob wir Ushuaia ganz im Süden von Feuerland machen sollten. Schlussendlich entschieden wir uns gegen die noch kältere, teurere und windiger Stadt und zogen Richtung Norden nach Puerto Natales. Diese Kleinstadt ist Ausgangspunkt für die Wanderungen zu den Torres del Paine. Es handelt sich dabei um eine natürliche, riesige Felsformation, die aussieht wie drei Türme.
El Chalten Gletschersee
Kulisse der Wanderung zum Torres del Paine
Der Parkeintritt ist für 3 Tage gültig. Camps sollte man hier Monate vorher buchen, da sie sehr begehrt sind und die Region gerade in der Hochsaison total überlaufen ist. Wir waren natürlich nicht vorbereitet und haben daher zwei Tagestouren unternommen zu den Rändern des W-Tracks. Die beiden Wanderungen waren jeweils 24 km lang und offenbarten die einzigartige Natur Patagoniens. Gerade die Gletscher am zweiten Tag waren unfassbar beeindruckend und den Weg total wert.
Im Hintergrung ist schon der Anfang des Gletschers zu erkennen
Auf den Wegen lernt man übrigens die unterschiedlichsten Leute kennen. Einziges Problem bei der Tagestour ist die Zeit. Die früheste erreichbare Fähre fährt um 11.00 und geht um 18.30 zurück. Man muss es also in ca. 7 Stunden schaffen. Für uns war das jedoch kein Problem und so ging es zurück nach Puerto Natales um von da aus nach Argentinien zu hitchhiken. Unser Ziel war El Calafate, das in der Nähe eines weiteren Gletschers liegt. Mitgenommen wurden wir erst von einem Sprinter zur Grenze. Ein deutsch-österreichisches Paar hat uns dann zur nächsten größeren Straße mitgenommen, da in Patagonien über 100 km keine einzige Menschenseele ist.
Hitchhiking in Patagonien
Von Esparanza hat uns dann ein mega sympathischer Argentinier mitgenommen, bei dem wir auch couchsurfen konnten.

Weiter im Programm und ab nach El Chalten

Nachdem wir die Gletscher besucht haben, ging es auch direkt weiter nach El Chalten. Hier sind sogar kostenlose Hikes möglich, die mindestens genauso schön sind wie Torres del Paine. In einem Tag sind wir hier 33 km durch die Berge gewandert um alles an einem Tag zu sehen. Schon am Folgetag ging es dann weiter
El Chalten
Richtung Norden. Wieder mussten wir Hitchhiken, da der einzige Bus nur abends fährt und die nächsten Tage komplett ausgebucht war. Auf der Strecke zur nächst größeren Stadt mussten wir mit 3 verschiedenen Fahrzeugen mitfahren, auf die wir teilweise stundenlang in der Mitte der Steppe warten mussten. Dabei war ein junges schweizer Paar aus Winterthur, ein argentinischer Kurier und ein älteres schweizer Paar aus der Nähe von Zürich. Das gleiche Paar hat uns übrigens auch am Folgetag die ersten 100 km Richtung Norden transportiert. In der Stadt Gobernador Gregorio ist übrigens nichts los und so wurde nur das nötigste eingekauft und ein einfaches Hostel aufgesucht. Am nächsten Morgen wurde dann wieder mühselig gehitchhiked. Glücklicherweise kam wieder das Schweizer Paar vorbei, das uns bereits gut kannte. Diesmal konnten wir nur bis zum Eingang in den Nationalpark hiken, wo kilometerweit nichts ist außer Steppe. Nach ca. 30 min bei 14 Grad in sturmartigen Böen kam ein “Polizeiauto” (Fiat 500😅) zufällig vorbei. Die drei Männer stoppten und erzählten uns etwas über Land und Leute. Die Jungs entschieden daraufhin Autos und Lkw für uns zu stoppen um eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren. Leider kamen in der halben Stunde nur Lkws, denen strikt untersagt war Hitchhiker mitzunehmen. Als die Polizei dann weg war stoppten zwei selbstständige Trockenbauer mit ihrem Renault Kangoo ohne Rücksitze. Wir sagten uns: “Scheiß drauf und rein da!”. Ab ging die wilde Fahrt Richtung Perito Moreno. Die ganze Fahrt wurde fast nur gelacht, weil die Typen einfach so unfassbar gut gelaunt waren. In Perito angekommen mussten wir direkt weiter zur chilenischen Grenze um die Tour am nächsten Morgen zu beginnen. Ein Pickup nahm uns mit in die nächste Stadt und den Rest zur Grenze 3 km mussten wir zu Fuß absolvieren. Zwischen den Grenzposten konnten wir 6 km auf der Ladefläche von einem Hühnertransporter mitfahren, um dann schlussendlich nach Chile-Chico zu gehen. Hier nächtigten wir nur und machten eine Spitzentour zu den Marmorhöhlen am nächsten morgen.
Marmor Formationen ragen aus dem türkisen Wasser

Coyhaique ist wirklich nichts besonderes

Am gleichen Tag wollten wir direkt weiter und ließen ein Busticket nach Coyhaique reservieren. Leider nehmen die lokalen Busunternehmen das ganze nicht ganz so genau und der Bus fuhr komplett überbesetzt ohne uns ab. Nun war wieder Hitchhiking angesagt, wobei jedoch reichlich Konkurrenz vorhanden war. 4 Israelis, die übrigens fast immer am hitchhiken sind und 2 kleine, blonde Mädels ( man hat keine Chance beim Hitchhiken gegen kleine blonde Frauen…) machten uns das Leben schwer. Jedoch konnten wir einem Tierarzt, der auf dem Weg war, 10 Euro pro Person zustecken und die Sache war geritzt. Nach der 4 Stunden langen Fahrt durch die unfassbaren Bergkulissen Patagoniens mit strömenden Wasserfällen und tief blauen Flüssen konnten wir in der Airbnb-Wohnung von dem Arzt schlafen. Der Mann hat versucht mit allem Geld zu machen (Campingplatz, Airnbnb Zubehörvermietung etc.), sodass wir uns nur wunderten warum er seine Toilette nicht auch noch vermietet😅👌. Hier machten wir nur eine kleine Wanderung und genossen ein bisschen die viel zu kleine Partyszene in Patagonien. Am Sonntag ging es dann weiter Richtung Puyuhuapi, wo uns bei der Busankunft schon ein Arbeitsloser erwartete, der seine gemietete Wohnung an uns vermieten wollte. Legal konnte er als Mieter kein Airbnb machen und so wartete er auf Touristen am Busterminal. Wir sahen uns die Wohnung an und stimmten direkt zu, denn die Wohnung war in Toplage und man sah direkt den See. Eigentlich war es kein See, sondern eine Meerbucht, was wir herausfanden als wir Delphine sahen und er uns erzählte gestern einen Orca gesehen zu haben. In diesem Dorf haben wir nur eine Wanderung zu einem Gletscher mit Wasserfall unternommen und die heißen Quellen ausgelassen. Wieder mussten wir hitchhiken, da der nächste Bus erst in 3 Tagen fuhr. Ich erspare mir jetzt mal davon zu erzählen, da wir bis Bariloche in Argentinien 2 Tage dadurch “verloren”. Interessant war nur ein Dorf, dass 2017 fast komplett von einem Erdrutsch bedeckt wurde. In Futaleufu mussten wir dann sogar das Rafting absagen, weil wir bereits einen Flug von Bariloche gebucht hatten. In Argentinien angekommen gibt es wieder deutlich mehr Busverbindungen, was uns das Hitchhiking ersparte. Durch die Flugbuchung haben wir jedoch auch nur einen Tag dort verbracht, was sich als deutlich zu kurz herausstellte. Es gibt hier fast unbegrenzte Möglichkeiten für Backpacker, was von Bier- und Schokoladenproben bis hin zu hervorragenden Wanderungen geht.
Deutsche Brauerei
Insgesamt war Patagonien wirklich unfassbar schön, wobei man sich jedoch bewusst sein muss, dass es sehr teuer werden kann. Beste Grüße in die Heimat😘👌